Hitzeindex-Rechner – Gefühlte Temperatur bei Hitze

Der Hitzeindex zeigt, wie heiß es sich anfühlt, wenn die relative Luftfeuchtigkeit zur tatsächlichen Lufttemperatur hinzugerechnet wird.

Ein Hitzeindex-Rechner kombiniert Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit zu einer gefühlten Temperatur. Er zeigt, warum sich dieselbe Lufttemperatur bei trockener und bei schwüler Luft unterschiedlich belastend anfühlen kann.

Der Wert ist eine meteorologische Orientierung. Er ersetzt weder eine lokale Hitzewarnung noch eine medizinische Beurteilung. Sonne, Wind, körperliche Aktivität, Kleidung, Alter, Erkrankungen, Medikamente und Hitzeanpassung können das persönliche Risiko verändern.

Notfallhinweis: Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit oder eine sehr hohe Körpertemperatur können auf einen Hitzschlag hinweisen. In Deutschland sofort 112 wählen, die Person an einen kühlen Ort bringen, unnötige Kleidung entfernen und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Kühlung beginnen.

Was ist der Hitzeindex?

Der Heat Index wurde für heiße Bedingungen entwickelt. Er kombiniert die Lufttemperatur mit der relativen Luftfeuchtigkeit und schätzt daraus, wie heiß sich die Umgebung für den menschlichen Körper anfühlen kann.

Hohe Luftfeuchtigkeit erschwert die Verdunstung von Schweiß. Verdunstet weniger Schweiß, kann der Körper weniger Wärme abgeben. Deshalb steigt die Belastung bei schwüler Luft häufig stark an.

Warum Schweiß nur beim Verdunsten kühlt

Schwitzen allein reicht nicht aus. Die kühlende Wirkung entsteht vor allem beim Übergang des Wassers von flüssig zu gasförmig.

  • trockene Luft begünstigt die Verdunstung
  • feuchte Luft bremst die Verdunstung
  • Luftbewegung kann die Verdunstung unterstützen
  • dichte Kleidung oder Schutzkleidung können die Wärmeabgabe begrenzen

Starkes Schwitzen führt außerdem zu Flüssigkeits- und Salzverlust. Die Belastung hängt deshalb nicht nur vom Rechnerwert, sondern auch von Dauer und körperlicher Aktivität ab.

Welche Eingaben werden benötigt?

Der klassische Hitzeindex verwendet zwei Werte:

  • Lufttemperatur
  • relative Luftfeuchtigkeit in Prozent

Beide Angaben müssen zum selben Zeitpunkt und möglichst am selben Ort gemessen werden. Eine morgendliche Luftfeuchtigkeit sollte nicht mit der Nachmittagstemperatur kombiniert werden.

Celsius und Fahrenheit umrechnen

Die verbreitete NOAA-Regressionsformel arbeitet intern mit Fahrenheit:

°F = °C × 9 ÷ 5 + 32

°C = (°F − 32) × 5 ÷ 9

Ein guter Rechner übernimmt beide Umrechnungen automatisch und zeigt das Ergebnis in Celsius und Fahrenheit an.

NOAA-Formel für den Hitzeindex

Die sogenannte Rothfusz-Regressionsgleichung lautet:

HI = −42,379 + 2,04901523T + 10,14333127R − 0,22475541TR − 0,00683783T² − 0,05481717R² + 0,00122874T²R + 0,00085282TR² − 0,00000199T²R²

  • HI = Hitzeindex in °F
  • T = Lufttemperatur in °F
  • R = relative Luftfeuchtigkeit als Prozentwert

Für bestimmte Kombinationen aus Temperatur und sehr niedriger oder sehr hoher Luftfeuchtigkeit werden zusätzliche Korrekturen angewendet. Die Gleichung ist eine Näherung und besitzt laut National Weather Service einen typischen Fehler von ungefähr ±1,3 °F.

Berechnungsbeispiele

LufttemperaturRelative FeuchteUngefährer Hitzeindex
30 °C40 %ca. 30 °C
30 °C70 %ca. 35 °C
32 °C50 %ca. 34 °C
32 °C70 %ca. 40 °C
35 °C40 %ca. 37 °C
35 °C60 %ca. 45 °C
38 °C50 %ca. 49 °C

Die Werte sind gerundet. Bereits kleine Änderungen von Temperatur oder Feuchtigkeit können bei hoher Belastung einen deutlich anderen Index ergeben.

Beispiel: 30 °C und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit

30 °C entsprechen 86 °F. Bei 70 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit ergibt die NOAA-Näherung ungefähr 35 °C.

Die Lufttemperatur bleibt 30 °C, die Belastung kann sich im Schatten jedoch etwa wie 35 °C anfühlen. Direkte Sonne und körperliche Aktivität sind in diesem Wert nicht enthalten.

Gefahrenstufen des US-Heat-Index

HitzeindexAllgemeine Einordnung
etwa 27–32 °CVorsicht bei längerer Belastung
etwa 32–39 °Cerhöhte Vorsicht; hitzebedingte Beschwerden möglich
etwa 39–51 °CGefahr; Hitzeerschöpfung wahrscheinlich, Hitzschlag möglich
ab etwa 52 °Cextreme Gefahr

Diese Kategorien stammen aus dem US-System und sind keine DWD-Warnstufen. Beschwerden können auch unterhalb der Tabellenwerte auftreten, besonders bei Sport, schwerer Arbeit oder individuellen Risikofaktoren.

Hitzeindex und DWD-Gefühlte Temperatur

Der Heat Index verwendet hauptsächlich Temperatur und relative Feuchtigkeit. Die Gefühlte Temperatur des Deutschen Wetterdienstes ist ein umfassenderes biometeorologisches Modell.

Der DWD berücksichtigt zusätzlich unter anderem Strahlung, Luftbewegung, Aktivität, Bekleidung und das thermische Empfinden eines Modellmenschen. Deshalb können Heat Index und DWD-Wert voneinander abweichen.

DWD-Hitzewarnungen

Der DWD spricht bei einer Gefühlten Temperatur von etwa 32 bis 38 °C von hoher gesundheitlicher Gefährdung. Oberhalb von 38 °C wird die Gefährdung als sehr hoch eingestuft.

Für Hitzewarnungen werden zusätzlich nächtliche Bedingungen und die erwartete Dauer der Belastung berücksichtigt. Ein einfacher Rechner kann diese amtliche Warnentscheidung nicht ersetzen.

Schatten, Sonne und Wind

Die üblichen Heat-Index-Werte gelten für schattige Bedingungen und leichten Wind. Nach Angaben des National Weather Service kann direkte Sonne die Belastung deutlich erhöhen.

Wind kann die Verdunstung unterstützen. Bei sehr heißer und trockener Luft kann starker Wind jedoch zusätzliche Wärme übertragen und die Austrocknung beschleunigen. Der Effekt ist daher nicht immer gleich.

Heat Index und WBGT

WBGT bedeutet Wet Bulb Globe Temperature. Dieser Index berücksichtigt neben Temperatur und Feuchtigkeit auch Strahlung, Wind, Sonnenstand und Bewölkung.

Für anstrengende Arbeit, Sport, Schutzkleidung oder direkte Sonne ist WBGT häufig besser geeignet. NIOSH empfiehlt für berufliche Hitzebelastung eine WBGT-basierte Beurteilung mit Arbeitsintensität und Akklimatisation.

Arbeit und Sport bei Hitze

Körperliche Aktivität erzeugt zusätzliche Stoffwechselwärme. Ein mäßiger Heat Index kann deshalb bei schwerer Arbeit oder intensivem Sport trotzdem problematisch sein.

  • Aktivität in kühlere Tageszeiten verlegen
  • Belastungsintensität reduzieren
  • Pausen in Schatten oder kühlen Räumen einplanen
  • regelmäßig trinken
  • bei Beschwerden sofort aufhören
  • neue oder zurückkehrende Beschäftigte schrittweise akklimatisieren

Für Arbeitsplätze sind standortbezogene Messungen aussagekräftiger als Daten einer entfernten Wetterstation.

Akklimatisation

Der Körper benötigt Zeit, um sich an Hitze zu gewöhnen. Besonders riskant sind die ersten heißen Tage, der Wiedereinstieg nach einer Pause und ein plötzlicher Wechsel in ein heißeres Klima.

Belastung und Arbeitsdauer sollten schrittweise erhöht werden. Akklimatisation schützt nicht vollständig und hebt die Notwendigkeit von Pausen, Flüssigkeit und Beobachtung nicht auf.

Trinken und Medikamente

Bei Hitze sollte regelmäßig getrunken werden. Der Bedarf hängt von Aktivität, Schweißverlust, Körpergröße, Erkrankungen und Medikamenten ab.

Sehr große Wassermengen in kurzer Zeit sind ebenfalls ungeeignet. Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen sollten ihre Trinkmenge mit medizinischem Fachpersonal abstimmen.

Medikamente dürfen wegen Hitze nicht eigenständig abgesetzt oder verändert werden. Bei Unsicherheit ist ärztlicher oder pharmazeutischer Rat sinnvoll.

Wer besonders gefährdet ist

  • Säuglinge und kleine Kinder
  • Menschen ab 65 Jahren
  • pflegebedürftige und alleinlebende Menschen
  • Menschen mit Herz-, Lungen- oder anderen Vorerkrankungen
  • Schwangere
  • Personen, die im Freien oder körperlich schwer arbeiten
  • Sporttreibende bei hoher Belastung
  • Menschen ohne ausreichende Hitzeanpassung

Auch junge und gesunde Menschen können bei intensiver Belastung einen Hitzschlag entwickeln.

Mögliche Zeichen einer Hitzeerschöpfung

Hitzeerschöpfung entsteht häufig durch starken Wasser- und Salzverlust. Mögliche Beschwerden sind:

  • Kopfschmerzen und Übelkeit
  • Schwindel und Schwäche
  • starker Durst
  • starkes Schwitzen
  • Reizbarkeit oder Konzentrationsprobleme
  • verminderte Urinmenge

Die betroffene Person sollte aus der Hitze gebracht, gekühlt und medizinisch beurteilt werden. Ist sie vollständig wach und kann sicher schlucken, können kleine Schlucke eines kühlen Getränks angeboten werden.

Hitzschlag ist ein Notfall

Warnzeichen sind Verwirrtheit, verändertes Verhalten, undeutliche Sprache, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit oder eine sehr hohe Körpertemperatur. Die Haut kann trocken sein oder stark schwitzen.

Bei Verdacht sofort 112 wählen. Die Person an einen kühlen Ort bringen, äußere Kleidung entfernen und den Körper mit Wasser, feuchten Tüchern und Luftbewegung kühlen. Einer bewusstlosen oder nicht sicher schluckenden Person nichts zu trinken geben.

Hitze in Innenräumen

Wetterstationswerte beschreiben einen Innenraum nicht zuverlässig. Dachwohnungen, Werkhallen, Küchen und schlecht gelüftete Räume können deutlich wärmer sein.

  • nachts und früh morgens lüften, wenn es draußen kühler ist
  • Fenster tagsüber verschatten
  • unnötige Wärmequellen ausschalten
  • kühlere Räume aufsuchen
  • gefährdete Personen regelmäßig kontaktieren

Warme Nächte sind besonders belastend, weil die Erholung eingeschränkt wird.

Grenzen des Rechners

Ein einfacher Hitzeindex berücksichtigt normalerweise nicht:

  • direkte Sonneneinstrahlung
  • körperliche Arbeitsleistung
  • Kleidung und Schutzausrüstung
  • heiße Oberflächen und Maschinen
  • individuelle Erkrankungen oder Medikamente
  • Akklimatisation
  • lokale Wind- und Innenraumbedingungen

Der Wert ist deshalb ein Screening- und Kommunikationswert, keine persönliche Freigabe für Arbeit oder Sport.

Typische Fehler bei Hitzeindex-Rechnern

  • Celsius direkt in die Fahrenheit-Formel einsetzen
  • relative Feuchtigkeit als Dezimalzahl statt Prozentwert verwenden
  • Temperatur und Feuchtigkeit verschiedener Tageszeiten kombinieren
  • Sonnenexposition ignorieren
  • Heat Index und DWD-Gefühlte Temperatur gleichsetzen
  • WBGT bei schwerer Arbeit oder Sport nicht berücksichtigen
  • akute Beschwerden wegen eines niedrigen Indexwerts unterschätzen

Was ein guter Hitzeindex-Rechner anzeigen sollte

  • Temperatur in Celsius und Fahrenheit
  • relative Luftfeuchtigkeit in Prozent
  • berechneten Hitzeindex
  • Gefahrenkategorie mit vorsichtiger Formulierung
  • Hinweis auf Schattenbedingungen
  • Warnung vor direkter Sonne und körperlicher Belastung
  • Abgrenzung zu DWD-Gefühlter Temperatur und WBGT
  • Notfallzeichen und klare Empfehlung, 112 zu wählen

Formeln im Überblick

BerechnungFormel
Celsius in Fahrenheit°C × 9 ÷ 5 + 32
Fahrenheit in Celsius(°F − 32) × 5 ÷ 9
relative FeuchteWasserdampfgehalt ÷ maximal möglicher Gehalt × 100
HitzeindexNOAA-Regressionsformel aus Temperatur und relativer Feuchte

Weiterführende Quellen

Fazit

Ein Hitzeindex-Rechner verbindet Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit. Mit steigender Feuchtigkeit verdunstet Schweiß schlechter, wodurch sich heiße Luft belastender anfühlen kann.

Der Heat Index gilt für Schatten und leichten Wind. Direkte Sonne, schwere Arbeit, Sport, Schutzkleidung und individuelle Risikofaktoren können die tatsächliche Belastung deutlich erhöhen.

Der Rechner ersetzt weder DWD-Hitzewarnungen noch eine WBGT-Bewertung oder medizinische Hilfe. Bei Verwirrtheit, Krampfanfällen, Bewusstlosigkeit oder Verdacht auf Hitzschlag muss sofort 112 gewählt werden.

Häufige Fragen zum Hitzeindex-Rechner

Was ist der Hitzeindex?

Der Hitzeindex verbindet Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit zu einer gefühlten Temperatur für heiße Bedingungen.

Welche Werte benötigt der Rechner?

Benötigt werden die Lufttemperatur und die relative Luftfeuchtigkeit zum gleichen Zeitpunkt.

Warum fühlt sich feuchte Hitze belastender an?

Hohe Luftfeuchtigkeit bremst die Verdunstung von Schweiß und damit einen wichtigen Kühlmechanismus des Körpers.

Gilt der Hitzeindex in direkter Sonne?

Nein. Die üblichen Heat-Index-Werte beziehen sich auf Schatten und leichten Wind; direkte Sonne kann die Belastung deutlich erhöhen.

Ist der Hitzeindex dasselbe wie die gefühlte Temperatur des DWD?

Nein. Der DWD berücksichtigt in seinem biometeorologischen Modell weitere Einflüsse wie Strahlung, Wind, Aktivität und Bekleidung.

Wann ist WBGT geeigneter?

Bei Arbeit, Sport, Schutzkleidung oder direkter Sonne ist eine standortbezogene WBGT-Bewertung meist aussagekräftiger.

Welche Beschwerden können auf Hitzeerschöpfung hinweisen?

Mögliche Zeichen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Schwäche, Durst, starkes Schwitzen und Kreislaufprobleme.

Wann muss der Notruf gewählt werden?

Bei Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen, Bewusstlosigkeit oder Verdacht auf Hitzschlag ist sofort der Notruf 112 erforderlich.

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